
Der Rubin: Die faszinierende Kraft des roten Edelsteins
Der Rubin – ein Edelstein, der seit Jahrtausenden die Menschheit in seinen Bann zieht. Mit seiner feurigen roten Farbe, die an glühende Kohlen oder das Herz eines Drachen erinnert, symbolisiert er Leidenschaft, Macht und Unsterblichkeit. In vielen Kulturen galt der Rubin als der wertvollste aller Edelsteine, noch vor dem Diamanten. Könige trugen ihn als Zeichen ihrer göttlichen Macht, Krieger glaubten, er mache sie unbesiegbar, und Liebende schenkten ihn als Symbol ewiger Leidenschaft.
Chemisch gesehen ist der Rubin ein roter Korund – dasselbe Mineral wie der Saphir, nur dass die Farbe durch Chrom statt durch Eisen und Titan verursacht wird. Diese scheinbar kleine Unterscheidung macht jedoch einen enormen Unterschied: Während Saphire in vielen Farben vorkommen, ist der Rubin ausschließlich rot. Diese Exklusivität, kombiniert mit seiner außergewöhnlichen Härte (9 auf der Mohs-Skala, nur vom Diamanten übertroffen) und seiner intensiven Farbe, macht ihn zu einem der begehrtesten und wertvollsten Edelsteine der Welt.
In der heutigen Zeit sind hochwertige Rubine seltener und oft teurer als vergleichbare Diamanten. Ein makelloser Rubin von mehreren Karat kann Millionen wert sein, und die Preise steigen stetig, da die besten Fundorte zunehmend erschöpft sind. Doch nicht jeder rote Stein ist gleich – die Unterschiede in Farbe, Reinheit, Herkunft und Behandlung können den Wert um das Hundertfache beeinflussen. Dieser umfassende Guide führt Sie durch die faszinierende Welt der Rubine und gibt Ihnen das Wissen an die Hand, um diese außergewöhnlichen Edelsteine zu verstehen, zu bewerten und zu schätzen.
Experten-Tipps zur Wertermittlung von Rubinen
Die Bewertung eines Rubins ist eine komplexe Kunst, die jahrelange Erfahrung erfordert. Dennoch gibt es grundlegende Prinzipien, die auch Laien helfen können, die Qualität und den Wert eines Rubins einzuschätzen.
Die Hierarchie der Wertfaktoren:
Im Gegensatz zu Diamanten, bei denen alle 4C (Carat, Color, Clarity, Cut) relativ gleichwertig sind, dominiert bei Rubinen eindeutig die Farbe. Die Prioritätenreihenfolge lautet:
- Farbe (Color): 50-70% des Wertes
- Reinheit (Clarity): 20-30% des Wertes
- Schliff (Cut): 10-20% des Wertes
- Gewicht (Carat): Multiplikator für die obigen Faktoren
- Herkunft (Origin): Kann Wert um 20-100% steigern
- Behandlung (Treatment): Unbehandelt kann Wert verdoppeln oder verdreifachen
Grundlegende Bewertungskriterien:
Visuelle Inspektion:
Bei Tageslicht betrachten:
- Natürliches, indirektes Tageslicht ist ideal
- Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung (zu intensiv)
- Kunstlicht kann Farbe verfälschen
- Vergleichen Sie bei verschiedenen Lichtquellen
Aus verschiedenen Winkeln:
- Rubine können Pleochroismus zeigen (Farbwechsel je nach Winkel)
- Drehen Sie den Stein langsam
- Achten Sie auf Farbzonierung
- Prüfen Sie Brillanz und Feuer
Mit Lupe (10-fache Vergrößerung):
- Untersuchen Sie Einschlüsse
- Prüfen Sie Schliffqualität
- Achten Sie auf Oberflächenschäden
- Identifizieren Sie natürliche Merkmale
Dokumentation prüfen:
Zertifikat von renommiertem Labor:
- GIA (Gemological Institute of America): Weltweit anerkannt
- Gübelin (Schweiz): Spezialist für Farbedelsteine, höchstes Prestige
- SSEF (Swiss Gemmological Institute): Ebenfalls sehr renommiert
- GRS (Gem Research Swisslab): Spezialisiert auf Rubine und Saphire
- AGL (American Gemological Laboratories): Anerkannt in USA
Wichtige Angaben im Zertifikat:
- Gewicht in Karat (auf zwei Dezimalstellen genau)
- Farbbeschreibung (Farbton, Sättigung, Helligkeit)
- Reinheitsgrad
- Schliffqualität
- Behandlungsangabe (essentiell!)
- Herkunftsbestimmung (bei Premium-Laboren)
- Kommentare zu besonderen Merkmalen
Preisvergleich und Marktkenntnis:
Realistische Preisspannen (pro Karat):
Kommerzielle Qualität:
- 0,5-1 Karat: 500-2.000€
- Sichtbare Einschlüsse, moderate Farbe
- Hitzebehandelt
- Herkunft: Thailand, Afrika, Madagaskar
Gute Qualität:
- 1-2 Karat: 2.000-8.000€
- Gute Farbe, geringe Einschlüsse
- Hitzebehandelt
- Herkunft: Burma, Mosambik
Sehr gute Qualität:
- 2-3 Karat: 8.000-25.000€
- Sehr gute Farbe, minimale Einschlüsse
- Hitzebehandelt oder unbehandelt
- Herkunft: Burma, Ceylon
Außergewöhnliche Qualität:
- 3+ Karat: 25.000-100.000€+
- Pigeon Blood Farbe, augenrein
- Unbehandelt bevorzugt
- Herkunft: Burma (Mogok)
Investment-Grade:
- 5+ Karat: 100.000€+
- Makellose Farbe und Reinheit
- Unbehandelt
- Dokumentierte Herkunft
- Historische oder außergewöhnliche Steine
Warnsignale beim Kauf:
Zu gut, um wahr zu sein:
- Preis deutlich unter Marktwert
- “Perfekter” großer Rubin zu niedrigem Preis
- Fehlende oder fragwürdige Zertifikate
- Druck zum schnellen Kauf
- Unklare Herkunftsangaben
Häufige Betrügereien:
- Synthetische Rubine als natürlich verkauft: Können perfekt aussehen, sind aber wertlos
- Stark behandelte Steine ohne Angabe: Glasfüllung, Diffusion
- Falsche Herkunftsangaben: “Burma-Rubin” aus Thailand
- Übertriebene Farbbezeichnungen: Nicht jeder rote Rubin ist “Pigeon Blood”
- Gefälschte Zertifikate: Von unbekannten “Laboren”
Die Farbe als wichtigster Wertfaktor
Die Farbe eines Rubins ist nicht nur sein auffälligstes Merkmal, sondern auch der entscheidende Faktor für seinen Wert. Ein Rubin mit perfekter Farbe kann trotz sichtbarer Einschlüsse wertvoller sein als ein lupenreiner Stein mit minderer Farbe.
Die drei Dimensionen der Rubinfarbe:
Farbton (Hue):
Das ideale Rot:
- Reines Rot bis leicht purpurnes Rot
- Kein Orange- oder Braunstich
- Leichter Purpurstich (5-15%) ist akzeptabel und oft erwünscht
- Zu viel Purpur: Wird als “purpurroter Rubin” bezeichnet, weniger wertvoll
- Orangestich: Mindert Wert erheblich
Grenzfälle:
- Zu viel Orange: Wird als Padparadscha-Saphir klassifiziert
- Zu viel Purpur: Kann als purpurner Saphir gelten
- Zu hell: Rosa Saphir statt Rubin
- Die Grenze ist manchmal subjektiv und kann zwischen Laboren variieren
Sättigung (Saturation):
Intensität der Farbe:
- Vivid (lebendig): Höchste Sättigung, am wertvollsten
- Strong (stark): Sehr gute Sättigung
- Moderate (moderat): Akzeptable Sättigung
- Weak (schwach): Blasses Rot, geringer Wert
Modifizierende Faktoren:
- Graue Untertöne: Mindern Wert erheblich (wirken “schmutzig”)
- Bräunliche Untertöne: Ebenfalls negativ
- Reine, klare Farbe ohne Modifikatoren: Am wertvollsten
Helligkeit/Ton (Tone):
Die ideale Helligkeit:
- Mittlere bis mitteldunkle Tönung (70-85% auf Helligkeitsskala)
- Nicht zu hell: Wirkt rosa oder “wässrig”
- Nicht zu dunkel: Wirkt schwarz oder “tintig”
- Sollte auch bei schlechter Beleuchtung noch rot erscheinen
Lichtverhältnisse:
- Gute Rubine “leuchten” auch bei gedämpftem Licht
- Fluoreszenz (durch Chrom) lässt sie von innen glühen
- Bei direktem Licht sollten sie nicht zu dunkel wirken
- Bei indirektem Licht sollten sie nicht zu blass sein
Farbverteilung:
Zonierung:
- Rubine zeigen oft Farbzonierung (Streifen oder Bereiche unterschiedlicher Intensität)
- Idealer Stein: Gleichmäßige Farbverteilung
- Leichte Zonierung: Akzeptabel, wenn von oben nicht sichtbar
- Starke Zonierung: Mindert Wert
- Geschickter Schliff kann Zonierung minimieren
Farbkonzentration:
- Farbe sollte über gesamten Stein verteilt sein
- Nicht nur an Rändern oder in Tiefe konzentriert
- Von oben betrachtet sollte gesamte Tafel (Oberseite) farbig sein
Was bedeutet die Farbe “Taubenblutrot” (Pigeon Blood)?
“Pigeon Blood” (Taubenblutrot) ist die legendärste und begehrteste Farbbezeichnung in der Welt der Rubine. Doch was genau bedeutet dieser Begriff, und wie erkennt man diese außergewöhnliche Farbe?
Die Ursprünge des Begriffs:
Historischer Kontext:
Der Begriff “Pigeon Blood” stammt aus Burma (Myanmar), wo er seit Jahrhunderten verwendet wird. Die genaue Herkunft ist umstritten:
Theorie 1: Die Taube von Mandalay:
- Bezieht sich auf eine spezielle Taubenart in Burma
- Das Blut dieser Tauben soll besonders leuchtend rot sein
- Vergleich mit dem intensiven Rot erstklassiger Rubine
Theorie 2: Das Auge der Taube:
- Nicht das Blut, sondern das rote Auge bestimmter Tauben
- Intensives, leuchtendes Rot mit leichtem Purpurstich
Moderne Interpretation:
Heute ist “Pigeon Blood” eine standardisierte Farbbeschreibung, die von gemmologischen Laboren verwendet wird, insbesondere von GRS (Gem Research Swisslab) und Gübelin.
Die exakte Farbdefinition:
Charakteristika von Pigeon Blood:
Farbton:
- Reines, intensives Rot
- Leichter Purpurstich (5-10%)
- Kein Orange, kein Braun, kein Grau
- Primärfarbe: Rot (mindestens 80%)
Sättigung:
- Vivid (lebendig) – höchste Stufe
- Intensive, reine Farbe
- Keine modifizierenden Grau- oder Brauntöne
- Maximale Farbkraft
Helligkeit:
- Mittlere bis mitteldunkle Tönung (75-85%)
- Nicht zu hell (würde rosa wirken)
- Nicht zu dunkel (würde Brillanz mindern)
- Perfekte Balance für maximale Leuchtkraft
Fluoreszenz:
- Starke rote Fluoreszenz unter UV-Licht
- Lässt den Stein von innen glühen
- Verursacht durch Chromgehalt
- Trägt zum “lebendigen” Eindruck bei
Geografische Einschränkungen:
Traditionelle Definition:
Ursprünglich wurde “Pigeon Blood” nur für Rubine aus Burma (Myanmar) verwendet, speziell aus der Mogok-Region.
Moderne Praxis:
Heute vergeben einige Labore die Bezeichnung auch für Rubine aus anderen Regionen, wenn sie die Farbkriterien erfüllen:
GRS (Gem Research Swisslab):
- Vergibt “Pigeon Blood” für Burma-Rubine
- Auch “Pigeon Blood Red” für Rubine aus anderen Regionen mit gleicher Farbe
- Unterscheidung im Zertifikat
Gübelin:
- Sehr restriktiv
- “Pigeon Blood” primär für Burma-Rubine
- Strenge Farbkriterien
GIA:
- Verwendet den Begriff nicht offiziell
- Beschreibt Farbe detailliert, ohne Marketing-Begriffe
Der Wertunterschied:
Preispremium für Pigeon Blood:
Ein Rubin mit offizieller “Pigeon Blood”-Bezeichnung kann 20-50% mehr wert sein als ein vergleichbarer Rubin ohne diese Bezeichnung.
Beispiel:
- 2-Karat Burma-Rubin, sehr gute Farbe: 20.000€
- 2-Karat Burma-Rubin, Pigeon Blood: 30.000-40.000€
- Unterschied allein durch Farbbezeichnung!
Warum so wertvoll?
- Extreme Seltenheit (weniger als 1% aller Rubine)
- Unvergleichliche Schönheit
- Historische und kulturelle Bedeutung
- Hohe Nachfrage von Sammlern
- Begrenzte Verfügbarkeit (Mogok-Minen zunehmend erschöpft)
Vorsicht vor Missbrauch:
Häufige Probleme:
- Händler verwenden “Pigeon Blood” inflationär
- Ohne Zertifikat von renommiertem Labor ist Bezeichnung wertlos
- Manche “Labore” vergeben Begriff zu großzügig
- Synthetische Rubine können perfekte Pigeon Blood-Farbe haben
Wie Sie sich schützen:
- Verlangen Sie Zertifikat von GRS, Gübelin oder SSEF
- Vergleichen Sie mit Referenzbildern
- Seien Sie skeptisch bei zu günstigen Angeboten
- Lassen Sie bei hohen Investitionen zweite Meinung einholen
- Kaufen Sie nur bei seriösen, etablierten Händlern
Andere wertvolle Rubinfarben:
Auch wenn Pigeon Blood die Spitze darstellt, gibt es andere hochwertige Farben:
“Vivid Red” (Lebendiges Rot):
- Intensives, reines Rot
- Sehr hohe Sättigung
- Nicht ganz Pigeon Blood-Niveau, aber exzellent
- Deutlich günstiger, aber immer noch sehr wertvoll
“Royal Red” (Königsrot):
- Tiefes, sattes Rot
- Leicht dunkler als Pigeon Blood
- Majestätisch und elegant
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
“Cherry Red” (Kirschrot):
- Mittleres, reines Rot
- Etwas heller als Pigeon Blood
- Sehr attraktiv
- Erschwinglicher
Natürliche Merkmale vs. Laborzüchtungen
Die Unterscheidung zwischen natürlichen und synthetischen Rubinen ist entscheidend – der Wertunterschied kann das Tausendfache betragen.
Natürliche Rubine:
Entstehung:
- Bildung über Millionen von Jahren
- Unter extremem Druck und Hitze in der Erdkruste
- Metamorphe Gesteine (Marmor) oder magmatische Umgebung
- Einzigartige geologische Bedingungen erforderlich
Charakteristische Merkmale:
- Natürliche Einschlüsse (Seide, Kristalle, Fingerabdrücke)
- Oft Farbzonierung
- Wachstumslinien
- Unregelmäßigkeiten in der Kristallstruktur
- Jeder Stein ist einzigartig
Synthetische Rubine:
Herstellungsmethoden:
Verneuil-Verfahren (Flammenschmelzverfahren):
- Älteste Methode (seit 1902)
- Schnell und günstig
- Erzeugt charakteristische gebogene Wachstumslinien
- Oft zu perfekt (keine natürlichen Einschlüsse)
- Leicht zu identifizieren für Experten
Czochralski-Verfahren:
- Kristall wird aus Schmelze gezogen
- Sehr reine Steine
- Charakteristische Wachstumsstrukturen
- Verwendet für hochwertige synthetische Rubine
Flux-Methode:
- Langsames Wachstum in Flussmittel
- Kann natürliche Einschlüsse imitieren
- Schwieriger zu identifizieren
- Teurer in der Herstellung
- Kann Experten täuschen
Hydrothermale Synthese:
- Wachstum in überhitztem Wasser
- Sehr naturähnlich
- Selten für Rubine verwendet
- Hauptsächlich für Smaragde
Erkennungsmerkmale synthetischer Rubine:
- Zu perfekt (keine natürlichen Einschlüsse)
- Gebogene Wachstumslinien (Verneuil)
- Gasblasen statt Kristalleinschlüsse
- Unnatürlich gleichmäßige Farbe
- Charakteristische Fluoreszenz unter UV-Licht
- Oft zu intensiv gefärbt
Behandelte natürliche Rubine:
Hitzebehandlung:
- Verbreitung: Über 95% aller natürlichen Rubine
- Zweck: Verbessert Farbe und Klarheit
- Methode: Erhitzen auf 1.000-1.800°C
- Akzeptanz: Industrie-Standard, muss aber angegeben werden
- Wertminderung: Minimal (10-20% gegenüber unbehandelt)
- Dauerhaftigkeit: Permanent und stabil
- Erkennbar: Durch geschmolzene Einschlüsse, veränderte Seide
Glasfüllung (Bleiglasfüllung):
- Methode: Risse werden mit Bleiglas gefüllt
- Zweck: Verbessert Klarheit und Farbe dramatisch
- Akzeptanz: Niedrig, muss deutlich angegeben werden
- Wertminderung: Erheblich (70-90%)
- Haltbarkeit: Problematisch (Glas kann herausfallen, verfärben)
- Erkennbar: Bläuliche Blitze in Rissen, unterschiedlicher Glanz
- Problem: Empfindlich gegen Hitze, Ultraschall, Säuren
Diffusionsbehandlung:
- Methode: Farbstoffe in Oberfläche diffundiert
- Erkennbar: Farbkonzentration an Facettenkanten
- Akzeptanz: Sehr niedrig
- Wertminderung: Extrem (80-95%)
- Problem: Farbe kann bei Nachschliff verloren gehen
Unbehandelte Rubine:
- Seltenheit: Nur 1-3% aller Rubine
- Wert: 50-200% höher als behandelte vergleichbarer Qualität
- Zertifizierung: Muss von Top-Labor bestätigt werden
- Investment: Beste Wahl für Wertsteigerung
- Verfügbarkeit: Sehr begrenzt, besonders in größeren Größen
Typische Einschlüsse erkennen (Seide)
Einschlüsse sind der “Fingerabdruck” eines natürlichen Rubins. Während sie bei Diamanten meist unerwünscht sind, können sie bei Rubinen tatsächlich den Wert steigern – vorausgesetzt, es handelt sich um die richtigen Einschlüsse.
Seide – Der charakteristischste Einschluss:
Was ist Seide?
- Feine, nadelartige Einschlüsse von Rutil (Titandioxid)
- Erscheinen als feine, parallele oder sich kreuzende Linien
- Können dem Stein samtartige Textur verleihen
- Charakteristisch für natürliche, unbehandelte Rubine
Positive Aspekte von Seide:
Authentizitätsnachweis:
- Beweist natürlichen Ursprung
- Synthetische Rubine haben keine echte Seide
- Kann Herkunft bestätigen (Burma-Rubine haben charakteristische Seide)
Ästhetische Wirkung:
- In Maßen: Verleiht dem Stein weichen, samtigen Glanz
- Kann Farbe gleichmäßiger erscheinen lassen
- Erzeugt begehrten “Glow”-Effekt
- Bei Sternen-Rubinen: Verursacht den Sterneffekt
Wertauswirkung:
- Leichte Seide: Kann Wert steigern (besonders bei Burma-Rubinen)
- Moderate Seide: Neutral bis leicht positiv
- Starke Seide: Kann Transparenz mindern, Wert sinkt
Seide nach Behandlung:
- Hitzebehandlung kann Seide auflösen oder verändern
- Teilweise aufgelöste Seide: Hinweis auf Behandlung
- Völlig fehlende Seide bei sonst natürlich wirkendem Rubin: Verdächtig
Andere natürliche Einschlüsse:
Kristalleinschlüsse:
- Calcit: Häufig in Burma-Rubinen
- Apatit: Kann in verschiedenen Herkünften vorkommen
- Zirkon: Mit charakteristischen Höfen
- Spinell: Besonders in Burma
- Können Herkunft und Authentizität bestätigen
Fingerabdrücke (Fingerprints):
- Netzartige Muster geheilter Risse
- Sehen aus wie menschliche Fingerabdrücke
- Eindeutiger Beweis für natürlichen Ursprung
- Wenn nicht zu ausgeprägt: Akzeptabel
Farbzonierung:
- Streifen oder Bänder unterschiedlicher Farbintensität
- Natürliches Wachstumsmerkmal
- Kann durch Schliff minimiert werden
- Starke Zonierung mindert Wert
Negative Kristalle:
- Hohlräume in Kristallform
- Oft mit Flüssigkeit oder Gas gefüllt
- Interessant unter dem Mikroskop
- Beweisen natürlichen Ursprung
Einschlüsse als Herkunftsindikatoren:
Burma (Myanmar):
- Charakteristische Seide
- Calcit-Kristalle
- Bestimmte Wachstumsstrukturen
- “Fingerabdruck”-Muster
Thailand:
- Oft weniger Seide
- Dunkle, plattige Einschlüsse
- Bestimmte Kristalltypen
Mosambik:
- Charakteristische Einschlussmuster
- Oft mehr Einschlüsse als Burma
- Bestimmte Mineraleinschlüsse
Ceylon (Sri Lanka):
- Zirkon-Kristalle mit Höfen
- Bestimmte Flüssigkeitseinschlüsse
- Oft sehr rein
Wann Einschlüsse problematisch sind:
Negative Auswirkungen:
- Große, zentrale Einschlüsse: Mindern Schönheit
- Risse, die Oberfläche erreichen: Gefährden Haltbarkeit
- Zu viele Einschlüsse: Mindern Transparenz und Brillanz
- Dunkle Einschlüsse: Stören Farbwirkung
- Einschlüsse, die mit bloßem Auge sichtbar sind: Mindern Wert erheblich
Reinheitsgrade bei Rubinen:
- Lupenrein: Extrem selten und teuer
- Augenrein: Sehr begehrt, keine sichtbaren Einschlüsse
- Leicht eingeschlossen: Akzeptabel, wenn Schönheit nicht beeinträchtigt
- Deutlich eingeschlossen: Wert gemindert
- Stark eingeschlossen: Nur für kommerzielle Qualität
Die berühmtesten Rubine der Weltgeschichte
Rubine haben im Laufe der Geschichte Könige, Kaiser und Sammler fasziniert. Einige Steine sind so legendär, dass sie Namen tragen und Geschichten erzählen, die Jahrhunderte überdauern.
Historische Rubine von Weltrang:
Der Timur-Rubin (361 Karat):
- Geschichte: Lange für einen Rubin gehalten, tatsächlich ein roter Spinell
- Bedeutung: Zeigt historische Verwechslung zwischen Rubinen und Spinellen
- Besitzer: Gehörte Timur (Tamerlan), später Mogul-Kaisern
- Heute: Teil der britischen Kronjuwelen
- Inschriften: Namen früherer Besitzer eingraviert
- Wert: Unbezahlbar (historische Bedeutung)
Der Schwarze Prinzen-Rubin (170 Karat):
- Geschichte: Ebenfalls ein Spinell, nicht Rubin
- Bedeutung: Zentrum der britischen Staatskrone
- Geschichte: Gehörte Pedro dem Grausamen von Kastilien
- Schlacht: Getragen von Heinrich V. in der Schlacht von Agincourt (1415)
- Legende: Soll den Träger vor Tod im Kampf schützen
- Heute: Tower of London
Der DeLong Star Ruby (100,32 Karat):
- Besonderheit: Einer der größten und feinsten Sternen-Rubine
- Farbe: Tiefes Purpurrot
- Stern: Perfekter 6-strahliger Stern
- Geschichte: 1964 aus Museum gestohlen, später zurückgegeben
- Herkunft: Burma
- Heute: American Museum of Natural History, New York
- Wert: Geschätzt 20+ Millionen USD
Der Rosser Reeves Star Ruby (138,7 Karat):
- Besonderheit: Größter und feinster Sternen-Rubin in Privatbesitz (ursprünglich)
- Farbe: Intensives Purpurrot
- Stern: Außergewöhnlich scharfer, zentrierter Stern
- Geschichte: Geschenk an Smithsonian Institution 1965
- Herkunft: Ceylon (Sri Lanka)
- Besonderheit: Soll Glück gebracht haben
- Heute: Smithsonian, Washington D.C.
Der Sunrise Ruby (25,59 Karat):
- Rekord: Teuerster Rubin jemals versteigert
- Preis: 30,3 Millionen USD (2015, Sotheby’s Genf)
- Preis pro Karat: 1,18 Millionen USD
- Farbe: Pigeon Blood
- Herkunft: Burma (Mogok)
- Besonderheit: Unbehandelt, außergewöhnliche Qualität
- Fassung: Cartier-Ring mit Diamanten
- Käufer: Anonym
Der Carmen Lúcia Ruby (23,1 Karat):
- Besonderheit: Einer der größten facettierten Rubine
- Farbe: Intensives Rot
- Herkunft: Burma
- Geschichte: Geschenk von Peter Buck an Smithsonian
- Name: Nach seiner Frau benannt
- Qualität: Außergewöhnliche Farbe und Klarheit
- Heute: Smithsonian, Washington D.C.
Legenden und Mythen berühmter Fundstücke
Rubine sind seit jeher von Mythen, Legenden und übernatürlichen Kräften umgeben. Diese Geschichten spiegeln die tiefe Faszination wider, die diese Edelsteine auf die Menschheit ausüben.
Antike Legenden und Überzeugungen:
Die Macht des Rubins:
Im alten Indien:
- Rubine wurden “Ratnaraj” genannt – “König der Edelsteine”
- Glaube: Rubine enthielten ein inneres Feuer, das nie erlös
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